Cornelia Edding, Herausforderung Karriere.
Red.: Ihr vielbeachtetes Buch beschäftigt sich mit den Hindernissen in Unternehmen, die Frauen auf ihrem Weg nach oben zu meistern haben. Woher kennen Sie diese Hindernisse so gut?
C. Edding: Es gibt, wenn man sich für solche Hindernisse interessiert, genügend Literatur über soziale Schließungsprozesse in Organisationen. Ausserdem habe ich Changeprozesse in Organisationen begleitet, und ich berate seit Jahrzehnten berufstätige Frauen und lerne aus deren Geschichten.
Ehrlich gesagt, hören wir seit Jahr und Tag das gleiche Lied: Die Frauen müssen besser werden. Frau Meier hat es nicht geschafft, weil ihr die Kompetenz x fehlt und Frau Müller würde das Projekt bekommen, wenn sie noch diesen kleinen persönlichen Mangel Y ausgleichen könnte…. Diese Fixierung auf die Person als alleinige Ursache für Erfolg und Misserfolg auf dem beruflichen Weg widerspricht einfach allem, was man über die Wirklichkeit der Meritokratie in unseren Unternehmen weiss.
Red.: Hatten Sie sich beim Schreiben eine bestimmte Leserschaft vorgestellt?
C. Edding: Ja, zu zwei Zielgruppen habe ich beim Schreiben innerlich “gesprochen”: In erster Linie zu Frauen, die schon wissen, dass sie sich beruflich weiter entwickeln wollen, womöglich schon eine Führungsaufgabe übernommen haben.
Viele meiner Klientinnen geben sich immer nur selbst die Schuld, wenn sie ein Projekt nicht bekommen oder eine Beförderung nicht klappt. Mir liegt daran, dass sie sehen, welche Bedeutung strukturelle und kulturelle Hindernisse in ihrem Unternehmen / ihrer Organisation haben.
Aber ich habe auch Berater und Beraterinnen, die solche Frauen coachen, vor Augen gehabt. Die bitte ich herzlich, bei ihrer Beratung nicht nur auf die individuellen Kompetenzen und deren Entwicklung zu schauen, sondern auch auf die Organisationsumwelt, in der diese Person aufsteigen will, deren Strukturen und deren Kultur.
Red.: Sie empfehlen Frauen, die Karriere machen wollen, sich um „Vitamin B“ und anspruchsvolle Aufgaben zu kümmern. Wie wird es Frauen schwer gemacht, einflussreiche Beziehungen aufzubauen? Warum bekommen Sie nicht die angesehenen Aufgaben in der Organisation?
C. Edding: Es gibt immer noch relativ wenige Frauen in Führungspositionen und sehr wenige in hohen Führungspositionen. Das ist ein Grund, warum einflussreiche Netzwerke immer noch überwiegend Männernetzwerke sind. Frauen holen zwar auf, aber Frauennetzwerke sind oft nicht so einflussreich. Und für eine Frau Zugang zu den einflussreichen Netzwerken zu bekommen, ist oft heikel. Sie müssen immer aufpassen, nicht missverstanden zu werden.
Ihre zweite Frage bezieht sich auf prestigeträchtige Aufgaben. Um solche Aufgaben zu bekommen, müssen sie nicht nur gut sein, Sie brauchen dazu nicht nur einen Mentor, sondern einen Sponsor, jemanden, der Ihren Namen ins Spiel bringt und sich aktiv für Sie einsetzt. Das passiert nicht so häufig, denn wichtige Entscheider halten oft Frauen für etwas unzuverlässig (z.B. werden sie schwanger oder müssen die Pflege von Angehörigen übernehmen). Sie möchten nicht selbst beschädigt werden, indem sie sich für eine Person einsetzen, die dann womöglich nicht verlässlich ist.
Red.: „Wenn’s nicht klappt, machen Sie nicht eine Weiterbildung, sondern reden Sie lieber mit Ihrem Chef!“ Weshalb halten Sie diesen Weg für aussichtsreicher?
C. Edding: Häufiger als Männer wählen Frauen den Weg über eine Weiterbildung, wenn sie sich beruflich entwickeln möchten. Manche reihen wirklich eine an die andere. Sicher eignen sie sich dabei neues Wissen und neue Kompetenzen an und entwickeln sich auch persönlich. Forschung und Praxis zeigen allerdings, dass die Bedeutung der Weiterbildung für den beruflichen Aufstieg nicht besonders groß ist. Wichtiger ist, dass der Chef von den Plänen der Frau weiss, daß sie ihn fragt, wie er ihre Chancen sieht, was sie tun könnte, um weiter zu kommen und welche Möglichkeiten er ihr anbieten kann.
Red.: Vier Kapitel finde ich in Ihrem Buch: Der Job, der Chef, der Eindruck, die Macht. Frauen, die kurz reinlesen möchten, sollten mit welchem beginnen?
C. Edding: Wer nur kurz reinschauen möchte, beginnt am besten mit dem Kapitel über den Chef. Er ist nicht das Tor zur Welt aber in der Regel der Türöffner für den beruflichen Aufstieg. Er kennt seine Mitarbeiterin am besten; er ist natürlich auch derjenige, von dessen Frauenbild sie profitiert oder unter dessen Klischeevorstellungen sie leidet. Ihn muss sie nutzen.
Red.: Ihr Buch trägt den eher problematisierenden Titel „Herausforderung Karriere“ erscheint aber im Carl Auer Verlag in der Reihe „LebensLust“. Ein Zufall?
C. Edding: Carl Auer wollte es gern veröffentlichen, hatte aber in den anderen Reihen keinen Platz dafür. Die “Lebenslust” war wohl noch am wenigsten unpassend. Ausserdem sind ja auch das Berufsleben und die Beschäftigung mit dem eigenen Aufstieg nicht nur “Müh und Plag”, sondern viele Menschen, auch ich, arbeiten sehr gern und mit Vergnügen. Auch eine Herausforderung kann vergnüglich sein. Wenn die Leistung dann auch noch anerkannt wird und Sie Gestaltungsmöglichkeiten bekommen, die mit einem Aufstieg verbunden sind – umso besser!
Cornelia Edding, Herausforderung Karriere.
Sie können das Buch beim Verlag erwerben:
198 Seiten, Kt, 2016
19,95 €
ISBN 978-3-8497-0118-5
http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/herausforderung-karriere/
