Im Spiegel der anderen lerne ich mich selbst besser kennen.
Red.: Herr Németh, Sie haben den Kurs „Leiten und Beraten von Gruppen und Teams“ bei TOPS besucht. Wie haben Sie die bunt gemischte Weiterbildungsgruppe erlebt?
A. Németh: Für mich war hauptsächlich die Mischung von Leuten aus verschiedenen kirchlichen Instituten und Leuten aus der wirtschaftlichen Szene interessant; zum einen die Unterschiede und zum anderen die erstaunliche Parallelität der Problemlagen trotz der entferntesten Schichten und Arbeitsgebiete.
Red.: Bei TOPS trifft man stets Teilnehmer/innen aus Profit- und Nonprofitbereich und aus verschiedenen Ländern. Welchen Einfluss hatte das intersektorielle und multinationale Lernen auf den Kursverlauf?
A. Németh: Das Intersektorielle habe ich als bereichernd erlebt. Das Multinationale hielt ich für nicht so besonders wichtig. Oder versuchte ich, mir das einzureden? Wir waren halt zwei ungarische Teilnehmer.
Ich habe aber auch noch einen anderen Eindruck gewonnen: Eine Supervisionsgruppe traf sich regelmäßig in Ungarn. Auf einmal wählten zwei Supervisionsgruppen Budapest für ihr Intervisionstreffen. So wurden wir zu zweit zu „Gastgebern“ und „Fremdenführern“. Wir waren stolz, dass wir „Ossis“ den „Wessis“ einige schöne Sachen zeigen konnten und dass sie sich wohlfühlten bei uns. Wir haben uns bei der Vorbereitung viele Gedanken gemacht, wie wir den Fremden Budapest zeigen können und wie sie das wohl aufnehmen würden. Witzigerweise ergab es sich, dass wir erstaunlich viel und intensiv im Seminarraum arbeiteten und eher wenig in der Stadt herumliefen. Aber Vorurteile konnten vielleicht doch ein wenig abgebaut werden. und es wurde einigen deutschen Teilnehmern Lust gemacht, Ungarn mal gründlicher zu erkunden.
Red.: Was war der wichtigste Lernfortschritt für Sie bei dieser Weiterbildung?
A. Németh: Dass ich ich bleiben und dies ruhig artikulieren kann. Sonst verstehe ich mich selbst nicht so ganz, wie ich wirke – und noch weniger können das die anderen. Im Spiegel der anderen lerne ich mich selbst besser kennen. Und wenn meine Selbstaussage aus einer ruhigen Tiefe kommt, kann ich mich auch darauf verlassen, selbst wenn daraus Krawall entsteht. „Nicht so still und bedacht“ und „Nicht erst so lange danach“, das sind mir wichtige Lerngebiete geworden. Schließlich: Ohne Fehler geht es sowieso nicht – warum und wovor dann Angst haben?
Red.: Wie wollen Sie Ihre Qualifikationen in Ungarn nutzen?
A. Németh: Ich weiß es noch nicht genau. Auf jeden Fall möchte ich in den Bereichen Kirche und Schule, wo ich ja selbst arbeite, einiges in Bewegung bringen. In beiden geht es in Ungarn auf diesem Gebiet eher lahm voran. Danach möchte ich vielleicht auch mal in den Profitbereich hineinschnuppern. Das Herzstück ist für mich aber die Gruppendynamik: Wir sollten die damit verbundenen Themen hier bei uns möglichst weiten Schichten zugänglich machen. Das finde ich sehr wichtig.
Red.: Wem würden Sie diese Weiterbildung in Ungarn empfehlen? Wem eher nicht?
A. Németh: Allen würde ich sie sehr empfehlen – allen voran den Kirchenleuten und Pädagogen!
